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Fallstricke beim aufarbeiten von Interviews

von Mrz 16, 2020

Viele Leitfäden über Interviews sind auf das Interview selbst und seine Analyse fokussiert, aber nur wenige beachten den wichtigen Zwischenschritt: die Aufarbeitung des Interviews. Das bedeutet in der Regel die Transkription des Materials. Die Beachtung der folgenden Probleme vor und nach dem Interview kann die Genauigkeit der Transkription maßgeblich verbessern.

Zu viele und nicht identifizierbare Sprecher

Zwischen zwei Sprechern zu unterscheiden ist in der Regel sehr einfach und macht auch die Notation im Transkript deutlich leichter. Wenn es zwei Sprecher gibt, ist einer in der Regel der Interviewer und einer der Interviewte. Die Fragen und Kommentare des Interviewers gehören genauso zur Transkription wie die Antworten des Interviewten, da ersteres das letztere beeinflusst. Der Interviewer ist weder unsichtbar noch abwesend; er beeinflusst den Teilnehmer mit seinen Worten.

Wenn die Aufnahme mehrere Sprecher des gleichen Geschlechts enthält kann deren Unterscheidung schwierig werden. In diesem Fall könnte eine Videoaufnahme angemessen sein. Dies hilft bei der Unterscheidung der Sprecher, aber beseitigt nicht das Problem des übereinander-Redens, was häufig in Gruppeninterviews auftritt.

Hintergrundgeräusche

Der Ort des Interviews sollte so ruhig wie möglich sein.  Hintergrundgeräusche können wichtige Teile des Interviews überdecken. Ein schlechtes Mikrofon oder ein Aufnahmegerät, das zu weit entfernt steht, erschweren den Job der Transkription ebenfalls. Wenn Sie sicher gehen, gutes Material zu verwenden und dies angemessen zu platzieren erhöht dies die Qualität der Transkription.

Sie sollten ebenfalls Notizen während des Interviews aufschreiben, falls die Technik ausfällt oder einfach als Erinnerungshilfe.

Sie planen zu wenig Zeit für die Transkription ein

Transkriptionsarbeit ist überraschend Zeitaufwändig und je genauer die Transkription ausfallen soll, desto mehr Zeit kostet sie. Der Druck durch Zeitplane und Fristen lastet auf Ihnen und Sie müssen immer noch Stunden an Interviewmaterial aufarbeiten. Sie sollten immer eine Stunde für 10-15 Minuten Audio einplanen, selbst bei einer einfachen Transkription. Exakte Transkriptionen kosten entsprechend noch mehr Zeit.

Sie sollten so früh wie möglich nach dem Interview mit der Transkription beginnen um Zeit für andere Stufen des Forschungsprojektes zu sparen.

Die Erinnerung an das Interview verblasst

Die Interviews sollten so früh wie möglich nach ihrer Durchführung aufgearbeitet werden. Dieser Arbeitsschritt wird häufig nicht beachtet, sodass die Erinnerung an die Interviews langsam aber sicher verblasst.  Sie sollten immer die nötigen Informationen zur Identifizierung an die Datei fügen, um sie auch Jahre später noch zum richtigen Kontext zuordnen zu können.

Um Anonymität zu gewährleisten, können die Identifizierungsinformationen aussehen wie „Frau 28, Lehrerin“, oder „Rita 55, Hausfrau“, wobei der Name je nach Situation entweder echt oder ein Pseudonym sein kann. Ihre eigenen Identifizierungen können ausführlicher sein als die, die am Ende im Forschungsbericht landen, wo eine ausführlichere Identifizierung oft nicht angemessen ist.

Ein schnelles Aufarbeiten bringt das Projekt zudem in seine nächste Phase: die Analyse des Materials. Die Analyse läuft ebenfalls deutlich reibungsloser wenn das Interview noch frisch im Gedächtnis ist.

Die Wahl der falschen Transkriptionsmethode

Simple Transkription ist oft ausreichend für die meisten Methoden der Inhaltsanalyse. Allerdings erfordert das Projekt oft eine exakte, vollkommen wortwörtliche Transkription und somit ein Transkriptionsformat, das Füllwörter und emotionale Ausdrücke berücksichtigt. Beispielsweise sollte ein Linguist, der über Dialekte oder Wortbetonungen forscht keine zusammenfassende Transkriptionsmethode wählen. In anderen Worten, die Methode der Analyse ist ein wichtiger Faktor bei der Transkription.